Die andere Meinung

Unser Kommentar zur "gescheiterten Hochzeit" von Immoscout24 und immounited hat für Wellen gesorgt und eine spannende Diskussion angeregt. Wir lieben Diskussionen und dürfen mit Erlaubnis von Thomas Kircher (Geschäftsführer der Raiffeisen Immobilien Kärnten) seine Reaktion auf diesen Artikel hier publizieren:
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Die andere Meinung
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Lieber Herr Goigitzer,

Ihr kürzliches Statement im untenstehenden E-Mail zur abgegblasenen „Immo-Hochzeit“ zwischen Immoscout24 u. Immounited kann ich überhaupt nicht nachvollziehen und fühle mich nicht nur aufgrund unserer eindeutig gegenteiligen Einschätzung zu diesem Vorhaben, sondern auch aufgrund einiger Ihrer absolut von mir nicht nachvollziehbaren Aussagen in ihrem Kurz-Essay zu einer Stellungnahme bemüßigt.

Als größerer Player am österreichischen Immo-Markt sind wir langjährig bei Braut & Bräutigam zufriedene Kunden, schätzen die – zwar leider jetzt schon höchstpreisigen -  Dienstleistungen und denken hier wohl trotzdem ähnlich wie der von Ihnen zitierte, kleine Makler aus Mürzzuschlag:

Das aktuelle Oligopol dieser Dienstleistungen am ohnehin kleinen österreichischen Markt noch in Richtung Monopol zu unterstützen, sehe ich nicht nur widersinnig, sondern tatsächlich gefährlich. 

Ihre Sorgen um Immoscout & Co verstehe ich auch nicht, da der österreichische wie auch deutsche Markt wohl zu klein bleibt, um für US-Unternehmen interessant zu werden.

Außerdem sind die aktuellen Dienstleistungen von IMMOUnited gar nur auf den österreichischen Markt beschränkt, was auch rechtliche Gründe hat – in Deutschland könnte man ein Gros derer aktueller Dienstleistungen mit Stand heute rechtsbedingt gar nicht ausrollen.

Da der Immoscout in Deutschland ja seit Jahren als Marktführer seine enorme Marktmacht bereits erfolgreich auslebt und die Scout24-Gruppe für europäische Verhältnisse bereits jetzt eine größere Einheit darstellt, wird deren zukünftige Ausrichtung nicht an einem einzigen gescheiterten Deal im kleinen Österreich stecken bleiben und deren Weiterentwicklung im KI-Bereich deshalb dadurch auch nicht ins Stocken geraten.

Auch Ihre Aussage im letzten Absatz, den Beamten der Bundeswettbewerbsbehörde Vorgaben machen zu wollen, ist ein Widerspruch in sich. Die Ver-Beamtung hat nämlich gerade den Hauptzweck, dass Mitarbeiter weisungsfrei und ohne Angst vor Einfluss agieren können und einer Behörde kann man – zumindest in Österreich und offiziell – zum Glück noch keine Vorgaben machen, sonst könnten wir sie ja gleich abschaffen.

Die aktuelle Entscheidung sehe ich gar als Sensation an und bin durchaus sehr stolz auf die beteiligten Beamten, weil die Bundeswettbewerbsbehörde in der Vergangenheit nicht bekannt für Einsprüche war und diese ohnehin äußerst selten, jedoch sicher mit größter Sorgfalt und nach intensiver Recherche getroffen wurde(n).

Mit freundlichen Grüßen Mag. (FH) Thomas Kircher Geschäftsführer

Wirtschaftlichkeit