Oft wird angenommen, die IT-Abteilung trage diese Verantwortung. In anderen Fällen schiebt man sie dem Marketing zu oder einem Projektteam, das neben dem Tagesgeschäft „auch noch digital“ sein soll. Diese diffuse Zuständigkeit führt dazu, dass wichtige Entscheidungen aufgeschoben werden. Prozesse bleiben unangetastet, Systeme bleiben isoliert und Mitarbeitende bleiben orientierungslos.
Digitale Transformation verändert jedoch nicht nur Technik, sondern Organisationen. Sie greift in Arbeitsweisen, Entscheidungswege und Machtverhältnisse ein. Wer entscheidet, welche Daten sichtbar werden, entscheidet auch, wer Verantwortung trägt. Wer Prozesse digitalisiert, verändert gleichzeitig Zuständigkeiten. Deshalb kann Digitalisierung keine Nebenaufgabe sein. Sie benötigt eine klare Führungsstruktur und eine eindeutige Entscheidungsinstanz.
Wenn niemand diese Rolle übernimmt, entstehen parallele Systeme. Abteilungen kaufen eigene Tools, pflegen eigene Daten und entwickeln eigene Workarounds. Das Unternehmen produziert damit Komplexität statt Effizienz. Führungskräfte erhalten Berichte, die sich widersprechen, und Mitarbeitende verlieren das Vertrauen in die Systeme. Die Organisation arbeitet dann nicht digitaler, sondern nur teurer.
Hier wird deutlich, warum Digitalisierung Chefsache sein muss. Nicht, weil Geschäftsführungen jedes System verstehen müssen, sondern weil sie die Richtung vorgeben und Prioritäten setzen müssen. Nur sie können entscheiden, welche Prozesse sich ändern dürfen, welche Strukturen aufgebrochen werden müssen und welche Investitionen wirklich strategisch sind.
Ein digitales Projekt ohne klaren Eigentümer verläuft wie ein Bauprojekt ohne Bauleitung. Die Arbeiten beginnen, die Kosten steigen und am Ende passt nichts zusammen. Erst durch klare Verantwortung entsteht Verbindlichkeit. Erst durch Führung entsteht Geschwindigkeit. Erst durch Entscheidungen entsteht Wirkung.
Digitalisierung ist kein IT-Projekt, sondern ein Transformationsprozess. Wer ihn nicht führt, wird von ihm geführt. Und wer glaubt, Digitalisierung könne nebenbei passieren, zahlt am Ende den Preis – in Form von Ineffizienz, Frustration und verlorener Wettbewerbsfähigkeit.
Deshalb gilt: Wo Digitalisierung keinen Verantwortlichen hat, hat sie auch keine Zukunft. Und wo sie keine Chefsache ist, bleibt sie ein teures Missverständnis.