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Eine Insel ist keine Lösung – sondern Teil des Problems

Digitalisierung ist in der Immobilienbranche längst Alltag – zumindest theoretisch. Praktisch jedoch arbeiten viele Unternehmen mit einem Sammelsurium aus Softwarelösungen, die zwar einzeln funktionieren, aber gemeinsam erstaunlich wenig bewirken. Das CRM kennt die Objekte nicht wirklich, das ERP weiß nichts vom Marketing, und das Reporting entsteht irgendwo zwischen Exportfunktion und Excel-Notlösung. Man hat digitalisiert – aber nicht vernetzt.
ronald@ivalu.eu
Eine Insel ist keine Lösung – sondern Teil des Problems
© Ivalu

Das Kernproblem ist nicht fehlende Technologie. Es ist fehlende Architektur.

Maklerbüros investieren in Leadtools, Portalschnittstellen und Newsletter-Automation. Hausverwaltungen führen digitale Ticketsysteme ein. Bauträger arbeiten mit Projektsoftware und Käuferportalen. Doch wenn diese Systeme nicht miteinander sprechen, entsteht kein Effizienzgewinn, sondern ein digitaler Flickenteppich. Daten werden doppelt erfasst, Statusmeldungen manuell aktualisiert, Informationen weitergeleitet statt automatisch übergeben. Die Folge ist nicht Innovation, sondern Mehrarbeit mit besserem Interface.

Ein mittelgroßes Maklerunternehmen erzählte mir kürzlich, man habe „alles digital“. Tatsächlich wurden neue Objekte im Verwaltungssystem angelegt, anschließend im CRM erfasst, danach für die Portale aufbereitet und bei Statusänderungen wieder manuell synchronisiert. Als wir die Prozesszeit analysierten, zeigte sich: Ein erheblicher Teil der Arbeitsstunden floss nicht in Kundenkontakt oder Abschluss, sondern in Datenpflege. Erst als die Systeme über Schnittstellen verbunden wurden, veränderte sich das Bild. Einmal erfasste Objektdaten aktualisierten sich automatisch in allen relevanten Anwendungen, Leads aus Portalen landeten strukturiert im CRM, und plötzlich war nachvollziehbar, welcher Kanal tatsächlich Abschlüsse brachte. Digitalisierung wurde messbar – und wirtschaftlich.

Ähnlich verhält es sich in der Hausverwaltung. ESG-Berichte werden vielerorts mit enormem manuellem Aufwand erstellt, obwohl Verbrauchsdaten, Wartungsprotokolle und Objektinformationen längst digital vorliegen. Was fehlt, ist die Verbindung dieser Datenquellen. Werden Zählerstände, Facility-Management-System und ERP miteinander verknüpft, entsteht ein kontinuierlicher Datenfluss statt eines jährlichen Dokumentationsmarathons. Nachhaltigkeit wird dann nicht nur berichtet, sondern gesteuert.

Noch deutlicher wird der Unterschied bei Bauträgern. Wer Projektentwicklung, Käuferkommunikation und Gewährleistungsmanagement isoliert betreibt, verliert nach Übergabe oft den digitalen Kontakt zum Kunden. Wer hingegen eine integrierte Plattform denkt, behält die Beziehung über den Verkauf hinaus. Dokumente, Baufortschritt, Zahlungspläne und Serviceanfragen sind Teil eines zusammenhängenden Systems. Das schafft Transparenz für Käufer und Datenintelligenz für das Unternehmen. Und es schafft vor allem eines: Differenzierung in einem Markt, der Produkte oft nur noch über Lage und Preis unterscheidet.

Der entscheidende Perspektivwechsel lautet daher: Immobilienunternehmen sind heute Datenunternehmen. Nicht die Anzahl der eingesetzten Tools entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit, sondern deren Zusammenspiel. Schnittstellen – APIs – sind dabei kein technisches Detail, sondern betriebswirtschaftliche Infrastruktur. Sie bestimmen, ob Informationen fließen oder stagnieren, ob Prozesse skalieren oder personalintensiv bleiben.

Viele Geschäftsführer unterschätzen diese strategische Dimension. Software wird nach Funktionsumfang ausgewählt, nicht nach Integrationsfähigkeit. Dabei ist ein geschlossenes System, das heute bequem erscheint, morgen möglicherweise eine Wachstumsbremse. Wer Systeme einkauft, ohne ihre Vernetzbarkeit zu prüfen, baut digitale Silos von morgen.

Digitalisierung bedeutet deshalb nicht, möglichst viele Lösungen einzuführen. Sie bedeutet, ein funktionierendes Ökosystem zu schaffen. Ein Unternehmen, in dem Daten einmal erfasst und vielfach genutzt werden. In dem Marketing, Vertrieb, Verwaltung und Controlling auf derselben Informationsbasis arbeiten. In dem Reporting kein Kraftakt, sondern Nebenprodukt sauberer Prozesse ist.

Am Ende ist es eine Frage der Haltung. Wer Digitalisierung als IT-Thema versteht, optimiert Werkzeuge. Wer sie als Architekturfrage begreift, gestaltet Wertschöpfung neu. Und genau dort entscheidet sich, wer künftig effizienter verkauft, besser verwaltet und profitabler entwickelt.

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